Manchmal willst du einfach nicht reden. 

Egal, was im Leben passiert: man muss drüber reden, sich mit andern austauschen, sich einfach mal Luft machen. Manchmal aber auch nicht. Manchmal willst du einfach nicht reden.

Einfach mal in dieser unglaublich lauten Stille versinken. Gedanken immer wieder und wieder denken, sich darin verlieren. Seufzen in verschiedenen Lautstärken. Über sich selbst lachen. Versuchen abzuschalten oder sich irgendwie abzulenken, auch wenn es nicht gelingt.

Ich bin generell kein Mensch vieler Worte. Ich möchte oft nicht über Probleme, Gedanken oder Gefühle reden, schließlich ist das meine Sache und nur meine Sache. Andere Leute geht das alles nichts an. Daher wissen wahrscheinlich auch viele meiner Freunde nichts von den Dingen, die geschehen sind oder die mich bewegen. Ich muss aber auch sagen, dass ich keine Ahnung habe, wie man sowas sagen soll. Wie soll man anfangen über Probleme zu sprechen? Soll man es einfach in den Raum werfen, einfach auf gut Glück? Soll man einen Einleitungssatz formulieren oder einen bestimmten Zeitpunkt abpassen?

Wenn ich es recht überlege, erzähle ich generell sehr wenig über mich. Beinahe alles, was ich denke, bleibt unter Verschluss. Warum soll ich es auch der Welt preisgeben? Davon habe ich nichts, oder?

Natürlich rede ich mit anderen Menschen. Viele würden sogar sagen, dass ich sehr gern und sehr viel rede. Was ich rede, ist in den meisten Fallen aber eher oberflächlich und ohne tieferen Inhalt. Nur sehr sehr selten spreche ich über Dinge, die mich wirklich mitreißen, faszinieren, fesseln oder beschäftigen.

Irgendwie war ich aber schon immer so. Geheimnisvoll, introvertiert, verschlossen, eigenbrötlerisch oder wie auch immer man es nennen möchte. Ich lasse halt einfach niemanden näher an mich heran.

Denn manchmal möchtest du einfach nicht reden.

blumen

 


Das war, glaube ich, bisher einer der persönlichsten und besten Einträge, die ich jemals verfasst habe. Wie steht ihr zu dem Thema „nicht reden, sondern schweigen“? Müsst oder wollt ihr immer alles mit der Familie oder Freunden besprechen? Vielen Dank für´s lesen!

xoxo

signatur

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Wenn die Zeit sich verlangsamt … 

Heute habe ich einen Zug eher genommen. Nicht um eher an der Uni zu sein, sondern um noch Zeit zu haben, um mir einen Kaffee und ein Brötchen zu kaufen. In letzter Zeit mache ich das sehr oft. Warum? Ich schätze, weil ich die Zeit dazu habe.

Als mein Zug pünktlich in den Hauptbahnhof einrollte, sah ich schon, wie einige Leute ungeduldig my Gleis gegenüber standen. Eigentlich wäre das das Gleis meines Anschlusszuges, aber erst in dreißig Minuten. Ohne weiter auf die hektischen Menschen zu achten, stapfte ich die Treppen herunter und steuerte zielstrebig auf den Ausgang des Bahnhofes zu. Ich bin eine Person, die einen sehr schnellen Schritt hat. Das habe ich schon alles Kind nicht an mir gemocht und wollte es immer ändern, habe es aber bisher noch nicht geschafft. Aber wer schnell geht, sieht mehr von der Welt, stimmt’s?

Nachdem ich nun den Eingang des Hauptbahnhofes passiert hatte, blies mir direkt ein starker Windstoß meine roten Haare ins Gesicht. Trotz Erkältung empfand ich die sanfte Kälte als sehr angenehm und strich mir die Haare vorerst nicht zurück, das wäre bei dem Wind sowie so vergebens gewesen.

Ich warf einen Blick auf die Uhr. Zwischen meiner Ankunft und dem zurückgelegten Weg lagen nicht mal zwei Minuten. Ich atmete aus. Als die Ampel auf Grün umsprang, setzte ich meinen Weg fort. Immer wieder ernahnte ich mich so langsam zu laufen, wie ich konnte. Schließlich hatte ich Zeit, also was sollte die Eile?

Nach wenigen Metern hatte ich nicht nur geschafft meine Schritte zu verlangsamen, sondern alles um mich herum schien sich langsamer zu bewegen. Ich nahm meine Umwelt plötzlich viel intensiver wahr. Geräusche. Menschen. Einfach alles.  Ein leichtes Lächeln huschte über meine Lippen. Ich schien mich wirklich zu entspannen, was mich sehr freute. Sobald ein Gedanken an die kommenden Stunden in der Uni aufkam, gelang es mir, ihn sofort wieder zu unterdrücken. Ich wollte in diesem Moment an nichts denken müssen, ich wollte einfach nur die verlangsamte Zeit genießen.

Wenig später erreichte ich den Bäcker, in dem es nach frischen Brötchen roch. Mit einem warmen Kaffee machte ich mich anschließend wieder auf den Rückweg. Das leise Plätschern von Wasser und das fröhliche Zwitschern der Vögel drang in meine Ohren. Immer noch schienen die Menschen sich langsamer zu bewegen, als hätte man all die Schnelllebigkeit aus der Welt verbannt.

Immer weiter führte mich mein Weg zum Bahnhof vorbei an Menschen, deren Gespräche wie auf Stumm gestellt zu sein schienen. Vorbei an Häusern, Büros und fahrenden Autos.

Als ich nach einem unendlich scheinenden Zeitraum am Gleis ankam, schaute ich auf die Uhr und stockte. Es waren nur 15 Minten vergangen. 15 Minuten, die sich anfühlten wie eine halbe Ewigkeit.

Ohne ein Wort 

Seit Tagen schon leide ich unter starken Halsschmerzen. Eigentlich ignoriere ich Schmerzen gekonnt und lebe mein Leben wie gewohnt weiter. Doch dann ist es dann passiert: meine Stimme hat nun komplett versagt.

Hilflos stehe ich jetzt in der Gegend herum und kann nicht mal ein „Hmm“ von mir geben. Lustig, in wie vielen Situationen man doch auf die Stimme angewiesen ist. Egal, ob ich nur kurz etwas zu meinen Eltern oder Freunden sagen oder jemanden begrüßen möchte: es geht einfach gar nichts mehr.

Jetzt dauert es unendlich lang, bis ich zu verstehen geben kann, was ich möchte. Immer muss ich es auf einen Zettel schreiben und hoffen, der gegenüber hat seine Brille dabei und kann es lesen. Bei jeder Frage, die mir gestellt wird, wird mir aufs Neue klar, dass ich nicht einfach antworten kann und muss irgendwie mit Hand und Fuß zu verstehen geben, was ich möchte. Leider verstehen das die Mitmenschen oft falsch und somit dauert es Ewigkeiten um sich auszudücken.

Außerdem finde ich mein Verhalten selbst sehr unhöflich, wenn ich unterwegs bin und nicht „Hallo“, „Tschüss“ oder „Danke“ sagen kann. Meine Mitmenschen wissen natürlich nicht, dass ich aus gesundheitlichen Gründen nicht sprechen kann, schließlich kann ich das niemandem erzählen und ein Schild, auf dem steht „es tut mir leid, dass ich nicht sprechen kann denn meine Stimme ist weg“ kann ich mir auch nicht um den Hals hängen.

In der kurzen Zeit wurde mir einmal mehr bewusst, wie wichtig die Stimme doch für die Menschen ist. Nonverbale Kommunikation reicht im Alltags einfach nicht aus, um die Stimme zu ersetzten. Vielleicht liegt es auch daran, dass wir Menschen es einfach nicht gewohnt sind, uns ohne Worte zu verständigen.