Wenn die Zeit sich verlangsamt … 

Heute habe ich einen Zug eher genommen. Nicht um eher an der Uni zu sein, sondern um noch Zeit zu haben, um mir einen Kaffee und ein Brötchen zu kaufen. In letzter Zeit mache ich das sehr oft. Warum? Ich schätze, weil ich die Zeit dazu habe.

Als mein Zug pünktlich in den Hauptbahnhof einrollte, sah ich schon, wie einige Leute ungeduldig my Gleis gegenüber standen. Eigentlich wäre das das Gleis meines Anschlusszuges, aber erst in dreißig Minuten. Ohne weiter auf die hektischen Menschen zu achten, stapfte ich die Treppen herunter und steuerte zielstrebig auf den Ausgang des Bahnhofes zu. Ich bin eine Person, die einen sehr schnellen Schritt hat. Das habe ich schon alles Kind nicht an mir gemocht und wollte es immer ändern, habe es aber bisher noch nicht geschafft. Aber wer schnell geht, sieht mehr von der Welt, stimmt’s?

Nachdem ich nun den Eingang des Hauptbahnhofes passiert hatte, blies mir direkt ein starker Windstoß meine roten Haare ins Gesicht. Trotz Erkältung empfand ich die sanfte Kälte als sehr angenehm und strich mir die Haare vorerst nicht zurück, das wäre bei dem Wind sowie so vergebens gewesen.

Ich warf einen Blick auf die Uhr. Zwischen meiner Ankunft und dem zurückgelegten Weg lagen nicht mal zwei Minuten. Ich atmete aus. Als die Ampel auf Grün umsprang, setzte ich meinen Weg fort. Immer wieder ernahnte ich mich so langsam zu laufen, wie ich konnte. Schließlich hatte ich Zeit, also was sollte die Eile?

Nach wenigen Metern hatte ich nicht nur geschafft meine Schritte zu verlangsamen, sondern alles um mich herum schien sich langsamer zu bewegen. Ich nahm meine Umwelt plötzlich viel intensiver wahr. Geräusche. Menschen. Einfach alles.  Ein leichtes Lächeln huschte über meine Lippen. Ich schien mich wirklich zu entspannen, was mich sehr freute. Sobald ein Gedanken an die kommenden Stunden in der Uni aufkam, gelang es mir, ihn sofort wieder zu unterdrücken. Ich wollte in diesem Moment an nichts denken müssen, ich wollte einfach nur die verlangsamte Zeit genießen.

Wenig später erreichte ich den Bäcker, in dem es nach frischen Brötchen roch. Mit einem warmen Kaffee machte ich mich anschließend wieder auf den Rückweg. Das leise Plätschern von Wasser und das fröhliche Zwitschern der Vögel drang in meine Ohren. Immer noch schienen die Menschen sich langsamer zu bewegen, als hätte man all die Schnelllebigkeit aus der Welt verbannt.

Immer weiter führte mich mein Weg zum Bahnhof vorbei an Menschen, deren Gespräche wie auf Stumm gestellt zu sein schienen. Vorbei an Häusern, Büros und fahrenden Autos.

Als ich nach einem unendlich scheinenden Zeitraum am Gleis ankam, schaute ich auf die Uhr und stockte. Es waren nur 15 Minten vergangen. 15 Minuten, die sich anfühlten wie eine halbe Ewigkeit.

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